Sibylle Kaldewey

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Venedig erwacht • Venice awakens

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Venedig erwacht im Winter
Cannalettos, Guardis Himmel, das Blau, färbt sich grau und je kürzer die Tage werden, um so dichter wird der Schleier, der sich über die Lagune legt. Ein Blick vom Zattere hinüber zur Guidecca zeigt noch schwach die Umrisse der Factory
Fortuny, nach einem endlosen Streifen, umbrafarben, verschmilzt die Fassade Palladio`s mit der Luft. Ein breites Transportschiff sendet Lichtsignale auf die bewegungslose Wasseroberfläche.
In den Gassen treten die Einwohner auf, die Kulisse belebt sich, keine Müßig-gänger, geschäftig Eilende, Handwerker, Studierende, Kinder rollern zur Schule
und vom Fischmarkt, erkennbar Köche, Frauen mit Blumen, ein Alter mit Stock begleitet seinen Hund. Und der Arlecchino? In den Häusern sitzen Mädchen, Frauen, sie nähen farbige Kostüme. Venedig wird eine italienische Stadt. .
Verloren ist jetzt der Tourist, der einsam flaniert und Schutz sucht bei den
Melodien einer Bar. Lucio Dalla. Und während sie aus dem Fenster schaut, die Vorbeigehenden betrachtet, da sieht sie Aldus Manutius, einen Delphin unter
dem Arm, ihm folgt Monteverdi, der ein Lied pfeift und jetzt, sie hält den Atem an, das ist Jorge Louis Borges, der heute aus dem Labyrinth herausgefunden hat.
Nur Rilke kommt nicht vorbei, er schreibt an einem Gedicht über Venedig.
Venice awakens in winter
Cannaletto’s, Guardi’s sky, the blue, turns gray, and the shorter the days become, the denser the veil that covers the lagoon. A view from the Zattere across to the Guidecca still faintly reveals the outlines of the Factory Fortuny, after an endless strip of umber, Palladio’s façade merges with the air. A wide transport ship sends light signals onto the motionless water surface.
The inhabitants appear in the alleys, the backdrop comes to life, no idlers, busy people hurrying, craftsmen, students, children scootering to school and from
the fish market, recognizable cooks, women with flowers, an old man with a cane accompanying his dog. And the Arlecchino? Girls and women sit in the houses, rooms, sewing colorful costumes. Venice becomes an Italian city.  .
Now the tourist is lost, strolling alone and seeking shelter in the melodies of a Bar. Lucio Dalla. And as she looks out of the window, watching the passers-by, she
sees Aldus Manutius, a dolphin under his arm, followed by Monteverdi, whistling a song, and now, she holds her breath, it is Jorge Louis Borges, who has found his way out of the labyrinth today. Only Rilke does not pass by; he is writing a poem about Venice.